Kleine Pilzfibel

  • 1. Wissenswertes über Pilze

  • 2. Was ist das überhaupt, ein Pilz?

  • 3. Wichtige Bestimmungsmerkmale eines Pilzes

  • 4. Pilze sammeln

  • 5. Kinder und Pilze

 

1. Wissenswertes über Pilze

Pilze sind gefährdet  

In Deutschland gibt es Schätzungen nach ca 10.000 Pilzarten und immer wieder werden Erstfunde gemacht. Während unsere Tier- und Pflanzenwelt inzwischen besser geschützt wird, trifft dies auf unsere Pilze meist nicht zu.

 

Warum ist das so?

·       Diverse Pilze sind Spezialisten für bestimmte Lebensräume: ändert sich der Lebensraum, hat das Einfluss auf das Pilzwachstum

Beispiele:

Das Aufforsten von Douglasien statt Fichten bedeutet ein Rückgang der Fichtenspezialisten.   Hoher Nährstoffeintrag auf Wiesen verdrängt die Pilze der Magerwiesen. 

·       Die Fruchtkörperbildung (das, was wir als Pilz bezeichnen) ist nicht sicher vorhersagbar. Manche Arten pausieren jahrelang, um dann wieder massenhaft aufzutreten.

·       Manche Pilze sind nur kurz zu sehen und werden dann oft übersehen.  Ihr Lebensraum ist so u.U. viel schlechter eingrenzbar als bei einer seltenen Blume oder einem seltenen Käfer.  

·        Pilzkunde ist kaum in den Lehrplänen der Schulen vertreten. Dabei haben Pilze eine überlebenswichtige Rolle im Ökosystem. Ohne Pilze kein Wald, ohne Wald kein Leben.   Und sogar wenn es um Biodiversität geht, fehlt oft das Reich der Pilze komplett. 

 

Leichtsinniger Umgang mit Pilzen  

Trotz der allgemeinen Unkenntnis ist der Umgang mit den Pilzen recht sorglos und oftmals leichtsinnig. Sobald die ersten reißerischen Meldungen über Riesenfunde in den Medien erscheinen, stürmen Menschenmassen in die Wälder und ernten alles, was sie finden. Ob zu jung, zu alt, vergammelt – egal. Anhand von „Bilderbüchern“ wird über’n Daumen gepeilt der Pilz bestimmt und unbesorgt der Speisewertangabe von alten Büchern vertraut.  

 

  • Sammelbegrenzungen und Schutzbestimmungen werden missachtet.    
  • In den Auslagen von Geschäften werden aus Unkenntnis z.T. bereits verdorbene Pilze angeboten, einfach deshalb, weil niemand weiß, welche Zeichen auf verdorbene Pilze hinweisen.  
  • Nach wie vor kursieren die abenteuerlichsten Methoden, die Essbarkeit von Pilzen festzustellen.  
  • Weder die Knoblauchzehe noch der silberne Löffel taugen dazu –einzig die genaue Kenntnis!  
  • Pilze werden unsachgemäß gelagert, ungenügend erhitzt und auch verfault oder mit Grünschimmel noch gegessen.  Zitat: „Madenbefall? Das bisschen Eiweiß schadet nicht.“  

 

So passieren jedes Jahr Vergiftungen.

 

Dazu kommt unachtsames bis fahrlässiges Verhalten.

Beispiele:

  • Teilnehmer einer Veranstaltung bekommen erzählt, bei uns gäbe es keine grünen Knollenblätterpilze
  • ohne Erlaubnis werden Wildpilze gesammelt und weiterverkauft (hier machen sich beide strafbar, Käufer und Verkäufer)
  • Und es ist fahrlässig, Stockschwämmchen zu sammeln („Das mache ich schon viele Jahre“) ohne überhaupt zu wissen, wie der tödlich giftige Doppelgänger aussieht. Fast jedes Jahr sterben daran Menschen bzw. brauchen eine neue Leber. Und dies betrifft oft genug nicht nur den fahrlässigen Sammler, sondern eben auch seine Tischgenossen.

 

Jeder in Deutschland kann sich Pilzberater nennen, denn es gibt keine gesetzliche Regelung. Auf eine gesetzliche Regelung wirkt die Deutsche Gesellschaft für Mykologie schon lange hin, bis jetzt leider ohne Erfolg.  

   

Pilzwissen lohnt sich 

Mehr über Pilze zu wissen hilft, erfolgreicher zu sammeln und vermeidet Vergiftungen.

 

Mehr über Pilze zu wissen ist aktiver Artenschutz. 

 

schwärzender Saftling

 

 


2. Was ist das überhaupt, ein Pilz?

Wichtige Begriffe

 

Pilze / Funga 


Pilze zählen weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren. Sie bilden ein eigenes Reich der Pilze. 

echte Pilze und unechte Pilze

Dazu gehören die echten Pilze und die sogenannten unechten Pilze, wie z.b. die Schleimpilze.
Ständerpilze
und

Schlauchpilze
 

Nach der Art ihrer Vermehrung unterscheidet man die echten Pilze in Ständerpilze und Schlauchpilze.

Zu den Ständerpilzen gehören z.B. die Lamellenpilze wie Parasol oder Champignon, die  Röhrenpilze wie Steinpilz oder Marone,
die Leistlinge wie der Pfifferling, 
die Porlinge wie Zunderschwamm
und Birkenporling.


Mycel 

Der eigentliche Pilz besteht aus einem Geflecht von Wurzeln im Boden, man nennt es Mycel.

Das, was wir als Pilz bezeichnen, ist genaugenommen nur sein Fruchtkörper, vergleichbar dem Apfel vom Apfelbaum. 




 

Wurzelstränge vom Hallimasch

 

Mycel vom Schwefelporling

 

 

 

3. Wichtige Bestimmungsmerkmale eines Pilzes  

Worauf  muss man achten, wenn man einen Pilz richtig bestimmen möchte?    

 

Hut: Hutform  / Hutoberfläche / Hutunterseite

 

Stiel: Stielform / Stieloberfläche / Stielbeschaffenheit

 

Was noch? Standort, Geruch, Sporenfarbe, Jahreszeit,  

 

 

 

Wissen: 

  • Welche Merkmale müssen immer da sein?
  • Welche Merkmale sind veränderlich?

Es gibt Merkmale, die je nach Art, sehr veränderlich sind. Z.B. können die Größe und die Farbe sehr unterschiedlich sein. Andere Merkmale verändern sich nicht. 
Manche Pilze wachsen nur in Verbindung mit einem bestimmten Baumpartner. 

Das  Aussehen eines Pilzes innerhalb der gleichen Art kann sehr unterschiedlich sein und Pilze verschiedener Arten können sehr ähnlich sein. Z.B. das essbare  Stockschwämmchen und der tödlich giftige Gifthäubling. Giftpilze und Speisepilze können sogar an einem Substrat durcheinander wachsen.
 

 

 

ein Speisepilz, ein Giftpilz: sie können nur anhand ihrer unterschiedlichen Stielmerkmale sicher unterschieden werden. Hier auf dem Bild fällt das leicht, aber stellen Sie es sich bei Regenwetter und Schneckenfraß vor.

 

Gifthäubling und Hallimasch wachsen durcheinander

 

 

 

4. Pilze sammeln

Perlpilz

 


Hier gibt es zwei Möglichkeiten, Sammlerglück vorausgesetzt:

1.
Sie kennen den Pilz sicher.
  • Sie wissen, er ist ein Speisepilz.                
  • Er ist nicht zu jung oder zu alt, ist in einwandfreiem Zustand, darf gesammelt werden und der Standort lässt eine unbeschwerte Ernte zu.
  • Sie schneiden den Pilz mitsamt dem Stiel ab, säubern ihn von grobem Schmutz und legen ihn in den Korb.
  • Pilze immer ausreichend lange garen (15 - 20 Minuten)

2.
Sie kennen den Pilz nicht sicher.

Woran merkt man das? Ganz einfach, Ihnen gehen Sätze durch den Kopf wie
...er sieht aus wie
...
ich bin mir ziemlich sicher
...es könnte sein, dass
...der riecht lecker
...der sieht gut aus
...der sieht aus wie ein Speisepilz


Fazit:

Einen Pilz, den man nicht sicher als Speisepilz kennt, isst man nicht. Deshalb, ihn entweder stehen lassen!   Oder:

 

3.

Sie wollen ihn kennen lernen.
Wie geht das?

  • Dafür nehmen Sie Pilze verschiedener Altersstufen mit der Basis aus der Erde, das geht am besten mit der Hand.e
    Beachten:
    Dabei weder am Hut noch am Stiel anfassen, denn da können sich wichtige Bestimmungsmerkmale befinden.
  • Sie legen die „Bestimmlinge“ in einen extra Behälter – getrennt von den Speisepilzen.
  •  Sie bestimmen ihn zuhause mit Ihrer Bestimmungsliteratur und holen sich die Bestätigung eines Pilzexperten.

 

Wissen: 

Es gibt viel mehr Pilze, als in den Büchern abgebildet sind. In Büchern kann nie die ganze Bandbreite vom Erscheinungsbild gezeigt werden. Viele Pilze lassen sich nur mit Spezialliteratur und / oder einem Mikroskop genau bestimmen.

 

 

5. Kinder und Pilze

Pilze sind nach heutigem Wissenstand nicht kontaktgiftig. Das heißt, vom Pilzeanfassen alleine kann sich niemand vergiften. Anders sieht es aus, wenn Kinder Pilze oder Pilzstücke in den Mund stecken oder sich "Pilzsuppe" kochen und das Wasser schlürfen.

Davon abgesehen, dass es bei den "kleinen braunen oder weißen Wiesenpilzen" recht giftige Gesellen gibt, sind auch viele unserer Speisepilze in rohem Zustand unverträglich bis giftig.

 

Pilze sind spannend  

Kinder können bereits im Kindergartenalter sachgerecht mit dem richtigen Umgang mit Pilzen vertraut gemacht werden. In der Regel haben sie daran viel Freude und vor allem sind sie gute Beobachter!

 

Spielbereich bei Krippekindern absuchen 

Für kleinere Kinder gilt, dass das Gelände, das sie bespielen, abgesucht werden und die vorgefundenen Pilze entfernt werden sollten.

 

Sind Spielbereiche gemulcht, muss dieser in die Sichtung mit einbezogen werden.

 

kompletter Pilzbefall (hier das Mycel) im Mulch einers Spielbereichs